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Eifutter selbst gemacht - Vor- und Nachteile

 

Ein Bericht von Anja Schütt

In 2015 beschreiten wir unsere 5. Zuchtsaison und eine Sache über die ich mir nunmehr seit 2 Jahren Gedanken mache ist das „industriell“ gefertigte Eifutter und  die dazu möglichen Alternativen. Auslöser waren wie bei den meisten Gedanken in Hinsicht der Ernährung schlicht und ergreifend die Angaben, oder aber auch die fehlenden zusätzlichen Angaben der Inhaltsstoffe. Da die Deklarierungspflicht in Deutschland zwar in den letzten Jahren strengeren Auflagen unterliegt, jedoch noch nicht so ausgereift ist wie in  anderen EU Ländern, fühlte ich mich nun mehr und mehr gezwungen mir über das Thema Eifutter Gedanken zu machen.

Dazu betrachten wir einmal die Primärfunktion des Eifutters, nämlich die Vögel vor der Brut zu konditionieren und währenddessen auch weiter mit gesunden Nährstoffen zu versorgen.

Ansatz ist es hierbei, die Elterntiere mit einer Grundlage an tierischem Eiweiss in Brutlaune zu bringen. Dieser Bedarf wird in der freien Wildbahn durch da Fressen von Insekten gedeckt. Zusätzlich sollen möglichst viele Vitamine und Mineralstoffe zugeführt werden. In der freien Wildbahn unter anderem durch keimende Samen bzw. Saaten. Da wir in der domestizierten Haltung darauf eher nicht zurückgreifen können oder aber auch nicht wollen hat sich das Hühnerei  bewährt.

Und hier möchte ich meine Gedanken „aufteilen“ zwischen Eifutter der Industrie und dem ganz normalen, schnöden Hühnerei. Und wie es meiner Ansicht nach Sinn machen würde, dieses natürliche Spitzenprodukt, diesen Allrounder der Ernährung, gesundheits- und brutfördernder einzusetzen.

Das industrielle Eifutter:

Um es mal ganz grob auszudrücken, besteht ein industriell gefertigtes Eifutter aus Eipulver, Bäckereierzeugnisse (meist Eibisquit), Honig, anderen Zuckerarten, pflanzlichen Nebenerzeugnissen und Zusätzlichen Saaten.

Für mich liest sich das mehr und mehr nach einer Zusammenstellung die nach Kritik verlangt. Warum? Eipulver bleibt Eipulver, aber wenn ich ein Eifutter erwerbe, das einen Kilopreis von 4,- bis 6,- Euro hat, dann frage ich mich unwillkürlich wie kommt dieser Preis zustande? Welche Eiqualtität hat das Eipulver? Legebatterie? Freiland? Bio? Letzteres wohl kaum. Eierbisquit ist nichts weiter  als „zusammengefegte Bäckereibleche“, sprich Backabfälle. Sie bestehen aus Weißmehl, Kristallzucker und Eizusätzen. In welchem Anteil sind diese Untergemischt? Pflanzliche Nebenerzeugnisse, kann auch alles sein, was jemals ansatzweise eine Photosynthese durchgemacht hat. Nicht näher deklarierungspflichtig.

Kleiner Exkurs…

Um aber um meine ganz persönlichen Bedenken auf dem Punkt zu bringen hier ein Thema, mit dem sich verantwortungsvolle Hundebesitzer schon länger beschäftigen, dass jedoch in die Vogelwelt (sofern ich das vom eigenen Hören sagen kann) noch nicht so weit vorgedrungen ist.  Viele Eifutterhersteller brüsten sich mit der Zugabe von Vitamin K. Klingt erst einmal gesund und super. Dazu muss man jedoch einige Gegebenheiten des Vitamin K genauer betrachten.

Fakt ist, in einer Brut, in einer Jungtieraufzucht von Säugetieren, ja selbst bei unseren Menschenbabys ist Vitamin K von allergrößter Bedeutung und Wichtigkeit. Vitamin K gehört zur Gruppe der fettlöslichen Vitamine und ist unablässig um Gerinnungsfaktoren sowie gerinnungshemmende Faktoren zu bilden. Weiterhin ist es für den Knochenstoffwechsel unabdingbar. Biochemisch kann man dies auch genauer im Internet nachlesen. Kurz gesagt wenn wir, egal ob Säuger oder Vogel, weder verbluten noch mit einem kaputten Skelett zusammen brechen wollen, dann brauchen wir alle Vitamin K. 

Der springende Punkt dabei ist jedoch:  Vitamin K1 kommt als natürliches Vitamin in Pflanzen vor, in Eiern (dazu gleich mehr) , K2 wird im Darm durch Bakterien gebildet. Der ganze Rattenschwanz der danach kommt ist synthetisch. K3 ist auf Salzbasis künstlich hergestellt, wasserlöslich und billig. Eine genauere Deklaration des Vitamin K ist in Deutschland bei Futtermitteln keine Pflicht.

Die Verwendung von K3 in Lebensmitteln ist in den USA seit Jahren verboten, seit 2004 wird der Einsatz in Nahrungsmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, sowie in der Humanmedizin verboten. (BGBL. I Nr. 25 s 1011-1115 VO 25.05.2004) Im Klartext: für uns Menschen schädlich für Tiere kein Problem.

Dazu Stellungnahme des BfR vom 15. Januar 2004 (Bundesamt für Risikobewertung)

Als „Vitamin K“ wird eine Gruppe chemischer Verbindungen verstanden, die blutgerinnungsfördernd wirken und die Durchlässigkeit der Blutgefäße regulieren. Vitamin K wird in unterschiedlichen Mengen in Pflanzen (K1), von Mikroorganismen im Darm (K2) gebildet oder kann synthetisch (K3) hergestellt werden. Die meisten landwirtschaftlichen Nutztiere sind ausreichend mit Vitamin K versorgt. Ein Mangel kann aber bei intensiv gehaltenem Geflügel, insbesondere bei der Käfighaltung, auftreten. Futterzusatzstoffe, die das Auftreten der Kokzidiose, einer parasitären Krankheit des Geflügels und anderer Tierarten, verhindern sollen, können den Bedarf erhöhen und dadurch einen „sekundären“ Mangel auslösen. Als Folge wird die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabgesetzt. Kleinste Verletzungen können dann zu ausgedehnten Blutungen bei den Tieren führen und schließlich auch die Qualität der Schlachtkörper beeinträchtigen. Um einen Vitamin K-Mangel auszugleichen, sind deshalb auf europäischer Ebene verschiedene Vitamin K-Verbindungen zum Einsatz in der Tierernährung zugelassen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält die Verfütterung dieser Verbindungen an Geflügel in den vorgeschriebenen Dosierungen sowohl für die Tiere als auch für Anwender und Verbraucher gesundheitlich für unbedenklich.

Für uns ist es „ungesund“, aber unsere lieben Tierchen dürfen das haben? Ein synthetischer, billig hergestellter Stoff, der Hypovitaminosen vorbeugen soll? Der unser Spitzenfutter so erschwinglich macht? Der unser industriell hergestelltes Eifutter mit den o.g. Kilopreisangaben so erschwinglich macht?

Sicherlich haben wir hier ein Pro und Contra das sehr zu Diskussionen Anlass gibt. Mich jedenfalls hat es zum Andenken angeregt und ich möchte euch nun hier vorstellen, wie und warum ein selbst gemachtes Eifutter eine gute Alternative sein kann.

Was oben rein geht kommt auch unten wieder raus…

…..oder wie mein Großvater noch derber zu sagen pflegte: wenn du oben Mist rein stopfst, erwarte nicht dass unten Gold fällt. Und Recht hat er!

Kleiner Exkurs zum Hühnerei…

Wir kommen somit zum Ei: Zum schnöden, ordinären Hühnerei, von uns Menschen konsumiert, die älteren Generationen haben es roh geschlürft, sich in die Haare geschmiert. Gekocht, gerührt, wir kennen es in unzähligen Varianten.

Die Wunderwaffe Ei, warum ist das Ei so wertvoll?

Das Ei besteht aus dem Eigelb und dem Eiklar. So weit so gut, aber wozu diente es? Klar sagt man salopp, blöde Frage, da schlüpfen die Küken draus. Aber wie funktioniert das?

 Das Ei wird im Körper der Henne befruchtet. So entsteht das Eigelb. Das Eigelb wird durch den Eileiter nach außen transportiert. Auf dem Dotter entwickelt sich ein kleiner, weißer Fleck, der durch erste Zellteilungen entstanden ist. Es wird Eiklar (Eiweiß) gebildet. Nach 24 Stunden wird es etwa gelegt. Schon wenige Stunden nach dem Legen vergrößert sich der Keimfleck. Und nun drehen wir die Uhr mal 20 Tage vor. Das Küken zieht den Dotter durch den Bauchnabel vollständig als Nahrungsquelle ein. All diese Vitamine, Mineralstoffe, dienen als Starthilfe der ersten Stunden außerhalb des Eies!

Studien haben ergeben, dass nicht nur für das Wachstum und die Entwicklung, nein auch für die Hormonsteuerung die unter anderem die Bettelrufe zur Fütterung auslöst, ein nährstoffreicher Dotter unabdingbar ist!

Und last but not least eine Übersicht der wunderbaren Inhaltstoffe eines Hühnereies (Quelle Wikipedia )

Deshalb...

Und hier schließt sich für mich der Kreis, getreu dem Motto: was du oben rein steckst, kommt unten auch wieder raus! Im Umkehrschluss: schlechte Ernährung der Elterntiere führt zu schlechtem Kükenwachstum, Death in Shell, schlechter Befruchtungsrate, Kükensterben nach dem Schlupf, schlechte Fütterung und vieles mehr! Das kann natürlich kein Faktor allein sein. Aber wenn man sich diesen Ablauf vor Augen führt ist es einfach nur logisch!

Seit Jahren wollen wir Menschen aus Tierschutzgründen und Ernährungsgründen keine Eier aus Legebatterien oder Bodenhaltung, Freiland, noch besser Bio steht hoch im Kurs. Aber warum hören die Gedankengänge bei uns Menschen auf? Warum das Ganze nicht auf unsere geliebten Haustiere anwenden? Und genau aus diesen Gründen haben wir für uns entschlossen weitestgehend unser Eifutter selbst herzustellen.

Und wie wird’s gemacht?

Das Schöne ist, dafür braucht man kein großartiges Kochtalent, lediglich ein paar gute Ideen bzw. Kenntnisse über die Zusammenstellung und ein paar einfache Küchengeräte, die sowieso in jedem Haushalt vorhanden sind.

1 Die Eier

 Groß, klein, weiß oder braun? Völlig egal! Wir empfinden inzwischen das braune Ei als sympathischer, verbinden es mit gesund und qualitativ wertvoll, da sich Anfang der 90er Jahre mal hartnäckig das Gerücht einbrachte braune Eier wären gesünder. Das ist und bleibt ein Gerücht, denn die Farbe der Schale hängt von der Rasse des Huhnes ab. Hühner mit weißen Ohrscheiben legen weiße Eier, die mit roten legen braune Eier. Es hat sich bei den Landwirten das Huhn mit roter Ohrscheibe durchgesetzt, da es wohl angeblich weniger krankheitsanfällig ist. So ist auch die merklich höhere Anzahl brauner Eier im Handel erklärbar.

Viel wichtiger sind die Haltungsbedingungen der Hühner. Für mich persönlich kommt da nur Bio oder Freiland in Frage. Alles was darunter ist, also Bodenhaltung oder gar Käfig setzt keinen Fuß in meinen Einkaufskorb. Denn da sind wir ganz einfach wieder bei dem, was ich anfangs schrieb: was oben rein kommt, kommt auch unten wieder raus. Eier aus schlechten Haltungs- und Ernährungsbedingungen können einfach keinen Nährwert haben. Außerdem möchte ich persönlich solche  Methoden mit einem Kauf unter gar keinen Umständen unterstützen.

  

2 Die Beilagen

Ein gutes Eifutter hat Beilagen. Dies sollte minimal eine Samen Komponente sein, idealerweise aus dem Bereich der Ölsaaten. Denn im Hühnerei sind zwar viele erstklassige Inhaltsstoffe, jedoch benötigen die fettlöslichen Vitamine, nun ja der Name sagt es, Fett um ideal verstoffwechselt zu werde. Ich nehme hier gern Negersaat, da die Körner leicht zu mischen und außerdem sehr preiswert sind. Es spricht jedoch auch nichts gegen andere ölhaltige Saaten wie zum Beispiel  Hafer, gern auch als Haferflocke.

 

Als „Topping“ nehme ich  noch eine Frisch-Komponente. Nicht nur, daß man spätestens damit die etwas wählerischen gefiederten Genossen an den Pott holt, nein damit wird noch einmal die ganze Geschichte in Hinsicht Ernährungsphysiologie ordentlich aufgewertet mit allem was die Natur zu bieten hat an Vitaminen, Spurenelementen und vieles mehr.  Der Klassiker hier die Möhre. Aber auch Kräuter, Löwenzahn, Vogelmiere und Sauerampfer sind willkommene Zutaten. Auch ein Apfel ist möglich. Die Einzige Frischkost, welche ich nicht mische ist Gurke, da sie mir einfach zu matschig wird. Dem Menschen sind der Phantasie und Kreativität absolut keine Grenzen gesetzt. Wichtig nur, dass es eine Frischkomponente ist die Sinn macht. Ein Züchter sollte hier nicht unbedingt auf Bananen zurückgreifen. Einem Halter, der jedoch dieses Rezept als „Snack“ anbieten will steht natürlich auch diese Option frei.

Jetzt geht es einfach nur noch darum, die Zutaten Wellensittichfreundlich zu zerkleinern und zu mischen. Dabei gibt es ein paar Kleinigkeiten zu beachten, die aber keineswegs schwierig sind.

Zum Zerkleinern der Zutaten nutze ich den Küchenchef, der eine sehr scharfe Klinge hat. Deshalb bleibt bei mir die Schale auch dabei, sprich ich schäle die Eier nicht, da die Schale gerade für die Hennen das für die Brut unerlässliche Calzium und den Kalk liefert. Dazu muss aber gewährleistet sein, dass das Küchenutensil, welches verwendet wird wirklich die Schale sehr fein zerkleinert, damit sie für den Wellensittich auch verwertbar ist.

Wer „per Hand“ ran geht sollte die Eier vielleicht schälen. Eine gute Möglichkeit wäre, die Schale zu mörsern. Mit dem Fleischklopfer im Plastikbeutel zu zerkleinern, mit dem Löffel mal richtig drauf donnern, was immer sich an Möglichkeiten bietet. Hierbei gilt jedoch zu beachtet, dass die Eierhaut von der Schale getrennt werden muss, da es sonst mit dem Zerkleinern nicht so gut klappt, da diese Haut die Schale beisammen hält.

 Nebenbei sei erwähnt, dass man sich auch so außerhalb der Brutsaison einen Kalkvorrat anlegen kann. Aber auch hier ist es unerlässlich die Eierhaut von der Schale zu puhlen, da diese sonst bei der Lagerung gammelig wird und die Eierschale verdirbt. Wem dies  alles zu mühselig ist, der pellt ganz einfach die Eier und zerreibt etwas Kalkstein mit der Küchenreibe über das Ei.

Gleiches gilt für die Frisch-Komponente, schön zerkleinern, mit den Samen und dem Ei mischen und fertig ist ein prima Eifutter. Halter, die sich nicht unbedingt Negersaat oder Ähnliches auf Vorrat kaufen müssen, können auch einen winzigen Schuss   Diestelöl verwenden. Hier ist auch der  Fettgehalt gegeben und außerdem ist es reich an wertvollen Omega Fettsäuren.

Gibt es auch Nachteile?

Natürlich gibt es wie bei den meisten anderen Dingen auch einige Nachteile, deshalb will ich einmal Vor- und Nachteile von selbst gemachten Eifutter aufführen

Vorteile:
-komplette Kontrolle der Zutaten, inklusive Nachhaltigkeit und Ökologie
-höherwertige Inhaltstoffe und somit eine qualitativ bessere Fütterung der Wellensittiche
-in und vor der Brut eine umfangreichere Versorgung an Nährstoffen gegenüber Fertigprodukten
-keine künstlichen Zucker- und Bäckereizusätze

Nachteile:
-Kostenintensiver, gerade bei größeren Zuchten
-sehr arbeitsintensiv
-muss, ganz besonders bei höheren Temperaturen, schneller gewechselt werde, da es schneller verdirbt
-mehr Abwasch der Utensilien und somit auch höherer Wasser- und Energieverbrauch


Abschließend bleibt mir zu sagen, dass hier sicherlich die Vor- und Nachteile in der Waagschale annähern gleich liegen, jedoch im Inhalt gerade die Vorteile für mich überwiegen. Sicherlich ist gerade bei größeren und umfangreicheren Zuchten eine eigene Eifutterherstellung sowohl finanziell als auch vom Zeitfaktor her nicht unbedingt in jedem Falle produktiv.

Auch möchte ich, falls es sich so lesen sollte, nicht grundsätzlich fertiges Eifutter als schlecht deklarieren. Auch ich habe eine Tüte griffbereit. Denn man weiß nie, was der Tag so bringt und unter gewissen Umständen darf es dann auch gern mal etwas schneller gehen. Es ist noch kein Brutpaar, keine Zucht oder Wellensittich allgemein an fertig abgepackten Eifutter zugrunde gegangen. Ich denke, in der heutigen Zeit, in der wir mehr und mehr Convinence-Produkten sowohl für Mensch als auch Tier ausgesetzt sind, kann es nicht schaden, einige Dinge zu hinterfragen. Und sich, wenn es sich lohnt, auf die grundlegenden Herstellungsverfahren, getreu dem Motto „Back to the Basics“ zu besinnen. Schaden wird es definitiv nicht.

Die oben aufgeführten Rezeptideen lassen sich auch prima mit Mehlwürmern anstatt von Ei durchführen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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